Hossein G., 20 Jahre alt, seit 4 Monaten in Deutschland
Hossein G., 20 Jahre alt, seit 4 Monaten in Deutschland 

Hossein:

Ich bin in Afghanistan halb tot geschlagen ins Krankenhaus gekommen. Nach einem Jahr kam ich raus, und bin geflohen. Wenn diejenigen, die dafür verantwortlich waren, wüssten, dass ich lebe, würden sie mich jetzt wieder umbringen.

Wenn man hierher nach Deutschland kommt, weiß man erst, was Leben heißt. Ich kann auf die Straße gehen, und wenn ich lächle, lächeln die Leute zurück. Man kann jeden nach dem Weg fragen:  die Leute helfen mit einem Lächeln. In Afghanistan kann man das nicht so einfach tun: aus verschiedenen Gründen, man kann nicht einfach jeden fragen, es gibt immer die Gefahr, umgebracht zu werden. Ich möchte hier ein ruhiges Leben führen.

Ich würde 20 Jahre meines Lebens geben, um hier geboren zu sein. Jetzt, wo ich hier bin, kann ich die seelischen Wunden, die ich mit mir trage, verarbeiten. Ich kann ein neues Leben beginnen. Es ist, als ob ich neu geboren bin.

Aboubacar M., 25 Jahre alt, seit 6 Monaten in Deutschland
Aboubacar M., 25 Jahre alt, seit 6 Monaten in Deutschland 

Aboubacar:

Meine Eltern sind beide gestorben. In Guinea hatte ich zu viele Schwierigkeiten. 
Ich bin zweimal geflohen, beim ersten Mal erlitten wir Schiffbruch und wurden nach unserer Rettung zurück gebracht. Beim zweiten Mal bin ich mit dem Flugzeug nach Europa geflogen.
Ich wollte nach Deutschland, ich kannte jemanden, der schon hier ist, und von dem ich gehört habe, wie es hier ist.
Deutschland ist für mich wie das Paradies; ich habe noch kein Land erlebt, wo sich so um einen gekümmert wird. Die Deutschen tun so viel für mich! Sie haben mich aufgefangen, ich habe ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen...
Zu meiner Familie habe ich keinen Kontakt, es gibt kein Telefon dort, und es kann von ihnen keiner lesen und schreiben. Die Kommunikation ist sehr schwierig.
Ich möchte gerne Fussballprofi werden, und ich trainiere dreimal die Woche im Fussballverein. Mein Idol ist Thomas Müller. Ich möchte gerne so werden wie er!

Almass M., 22 Jahre alt, aus Afghanistan, seit drei Monaten in Deutschland
Almass M., 22 Jahre alt, aus Afghanistan, seit drei Monaten in Deutschland 

Almass:

 In Afghanistan ist der einzige Weg, etwas zu erreichen, Kontakte zu haben. Wissen und Bildung nützen einem gar nichts. Obwohl man sich anstrengt, bekommt man keine Ergebnisse. Man ist in Afghanistan viel mit materiellen Dingen beschäftigt: wo geht die nächste Bombe hoch, wie kann ich wohl heute Geld verdienen, wer begegnet mir heute - man kommt nie zur Ruhe, um weiterzukommen. 
In Deutschland sind die Menschen helldenkend: sie nutzen ihre Zeit, sie wissen, wie man die Zeit einteilt, sie gehen anders an das Leben heran. Sie gehen freundlich miteinander um und halten sich an Regeln. In Afghanistan gibt man den helldenkenden Menschen nicht die Möglichkeit, dahin zu kommen, wo sie hinmöchten.
Wenn alle Länder so wie Deutschland wären, müsste niemand fliehen.

Ich möchte gerne offen sein für andere Gedanken als ich es in Afghanistan sein kann: ich möchte lernen, die Zeit nützlich verbringen und arbeiten. Am liebsten weiter studieren, wenn ich genug Deutsch sprechen kann. Ich muss einen Schritt nach dem anderen machen.

Ich entdecke jeden Tag etwas neues, ich brauche nur loszugehen: alles ist neu.

Mohamad A., 27 Jahre alt, aus Afghanistan, seit 4 Monaten in Deutschland
Mohamad A., 27 Jahre alt, aus Afghanistan, seit 4 Monaten in Deutschland 

Mohamad:

In Deutschland fühle ich mich in Sicherheit. Die Gesellschaft ist human. So etwas erlebt man in Afghanistan nicht. Deutschland ist so großzügig und gibt den Flüchtlingen so viel, und ich will Deutschland gerne zurückgeben, was ich jetzt alles bekomme! Ich bin die ganze Hoffnung meiner Familie.
Ich finde es am Rhein entlang sehr schön; wenn es mir nicht gut geht, und ich alleine sein und nachdenken möchte, gehe ich dorthin und sehe den Schiffen zu, von den Brücken aus oder irgendwo am Rheinufer. Dort hole ich mir Kraft. So viele Gedanken gehen mir durch den Kopf.

Ali H., 26 Jahre alt, aus Iran/Afghanistan, seit 5 Monaten in Deutschland
Ali H., 26 Jahre alt, aus Iran/Afghanistan, seit 5 Monaten in Deutschland 

Ali:

Ich bin ein im Iran geborener Afghane, meine Eltern waren aus Afghanistan geflohen. Ich habe dort als Schneider gearbeitet.
Als Afghane im Iran ist es nicht einfach: man hat keine Rechte und wird diskriminiert. Ich wurde oft gar nicht bezahlt! Man hat keine Zukunft.
In Deutschland werden die Menschen unterstützt, ich fühle mich sicher. Jeder ist gleich, egal wie lange man schon hier ist. Im Iran habe ich keine Rechte und kann mich nicht entfalten, da findet für mich kein Leben statt. Ich konnte mich nicht frei bewegen; und in Afghanistan weiß man nie, wer neben einem ist: jeder könnte ein Selbstmordattentäter sein.
Meine Schwester ist schon seit 20 Jahren in Deutschland und hat davon erzählt; ich wollte auch immer schon hierher, seit ich ein Kind war, hatte aber nie genügend Geld, um hin zukommen. Ich mag die Sprache, und ich bin fasziniert vom Christentum. In Köln schaue ich mir immer die Bilder von der Entstehungsgeschichte des Doms an: wie haben die Leute das damals bauen können!
Ich war insgesamt sieben Monate unterwegs, in der Türkei saß ich drei Monate fest. Der schwierigste Weg war der von Athen bis hierher, ich bin den Weg von Athen aus zu Fuß gegangen, das hat 40 Tage gedauert.
Jetzt bin ich in Köln, und ich hatte noch nie so ein Gefühl wie jetzt, wo ich hier bin. Im Iran oder in Afghanistan habe ich niemanden
mehr, aber hier schon. Hier in Köln will ich bleiben, ich will auch in keine andere Stadt.

C.S., 32 Jahre alt, aus Guinea, seit 11 Monaten in Deutschland
C.S., 32 Jahre alt, aus Guinea, seit 11 Monaten in Deutschland 

C.S.:

 In meiner Heimat hatte ich große Schwierigkeiten, weil ich mich in eine Christin verliebt habe. Unsere Tochter ist zwei Jahre alt. Wegen dieser Verbindung wurde ich verfolgt, ich hatte Angst um mein Leben. Ich bin geflohen, um nicht weiter drangsaliert zu werden. Auch in Belgien, wo ich zuerst angekommen bin, hatte ich das Gefühl, verfolgt zu werden und bin weiter nach Deutschland  geflohen.
Jetzt habe ich keinen Kontakt zu meiner Familie, weil es dort kein Telefon gibt. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Ich hätte so gerne meine Frau und meine Tochter bei mir.
Von Deutschland hatte ich keine besondere Vorstellung, ich wollte nur in Sicherheit sein. Jetzt fühle ich mich sicher, es gibt viele Menschen, die gut zu mir sind. Ich bin sehr dankbar, jetzt finde ich Ruhe und kann wieder schlafen.
Die Deutschen sind sehr hilfsbereit und haben Interesse, das ist neu für mich. Sie sagen, was sie denken, das finde ich gut.
Ich bin gerne hier, und wenn ich später etwas erreiche, dann nur wegen der Arbeit der Menschen hier, die sich um mich kümmern.

Froghden S., 18 Jahre alt, aus Afghanistan, seit drei Monaten in Deutschland
Froghden S., 18 Jahre alt, aus Afghanistan, seit drei Monaten in Deutschland 

Froghden

Ich bin bis zur 6. Klasse zur Schule gegangen, danach konnte ich das nicht mehr tun: es war Krieg, meine Schule wurde zerbombt, und meine Familie hatte auch nicht das Geld, um mehrere Kinder auf die Schule zu schicken.
Meine Familie lebt in einem Gebiet, das in der Hand der Taliban ist: wenn man da aus dem Ausland kommt oder irgendetwas mit dem Ausland zu tun hat, bringen sie einen gleich um – sie fragen erst gar nicht nach Details. Das glaubt einem selbst in Afghanistan niemand, der es nicht selbst erlebt hat!

Mein Bruder studiert in Kasachstan, und wenn er einmal im Jahr nachhause kommt, muss er sich verstecken, sonst bringen sie ihn um, und die Familie ist auch in Gefahr. Mein Vater sagt immer, dass er keine Ahnung hat, wo seine Söhne sind, wenn nach ihnen gefragt wird, sie seien auf einmal einfach weg gewesen. 
Von der Flucht gibt es nichts Gutes zu erzählen, keine einzige gute Erinnerung, von dem Moment an, da ich aufgebrochen bin, bis zu meiner Ankunft in Deutschland; ich war immer in Gefahr, zwei Monate lang. Mein Ziel war es, zu überleben.
Und jetzt bin ich hier: und alles ist schön! Alles funktioniert, es ist hier so weit entwickelt! Das funktionierende Straßensystem, die Eisenbahn, die Möglichkeiten, sich zu bilden, alles! Afghanistan bräuchte noch 200 Jahre, um dahin zu kommen, wo Deutschland jetzt ist.
Im 
Vergleich zu Afghanistan ist hier alles schön.

Naweed H., 18 Jahre alt, aus Kabul/Afghanistan seit 5 Monaten in Deutschland
Naweed H., 18 Jahre alt, aus Kabul/Afghanistan seit 5 Monaten in Deutschland 

Naweed:

Ich bin mit meinem Cousin geflohen, die Flucht hat 45 Tage gedauert. Es war sehr gefährlich.
Die Situation in Kabul war für mich nicht gut, dort ist schon so lange Krieg, und es ist so unsicher, dort zu leben. In Deutschland gibt es für Männer und für Frauen so gute Möglichkeiten, sich zu bilden und etwas zu erreichen, das möchte ich gerne nutzen.
Jeder wird akzeptiert! Das Leben hier ist auf jeden Fall viel besser als in Afghanistan – wenn man hierbleiben kann... !

Ich gehe zu vier verschiedenen Deutschkursen, und ich kann auch schon ein bisschen sprechen.
In Kabul habe ich bei einem Bäcker und bei einem Fotografen gearbeitet, und hier in Deutschland würde ich gerne richtig Deutsch lernen und die Schule fertig machen und danach fotografieren, das macht mir Spaß. 
In Kabul sind noch meine Eltern und meine beiden kleinen Brüder, sie sind fünf und drei Jahre alt. Auch meine Freundin Zeant, wir sind seit sechs Jahren ein Paar , sie konnte nicht mitkommen, weil die Flucht so gefährlich war. Sie hätte ich so gerne auch bei mir.

Pooja A., 19 Jahre alt, aus Kabul/Afghanistan, seit einem Jahr in Deutschland
Pooja A., 19 Jahre alt, aus Kabul/Afghanistan, seit einem Jahr in Deutschland 

Pooja:

In Afghanistan heiratet man nicht aus Liebe, sondern Liebe passiert innerhalb der Verwandtschaft, und wenn man gegen das Stammesgesetz verstößt, dann besteht Lebensgefahr. Eine der Familien muss sich dann der Sache annehmen und das regeln.
Ich war in einen Mann verliebt, der gehörte nicht zur Verwandtschaft, wir haben uns inoffiziell vermählen lassen: so konnten wir heiraten, ohne den Familien Bescheid zu sagen. Meine Schwester hat sich in den Bruder meines Mannes verliebt: in Afghanistan findet alles in einem sehr engen Kreis statt...! Wir sind zusammen geflohen, zu viert. Deutschland war zunächst nicht das Ziel, wir wollten bloß in Sicherheit zusammen leben können. Im Iran haben wir keine Aufenthaltsgenehmigung bekommen, und es bestand die Gefahr der Abschiebung bei der kleinsten Gelegenheit: Afghanen werden im Iran diskriminiert. So sind wir aus dem Iran über die Türkei, Serbien, Ungarn und Österreich nach Deutschland geflohen, zum großen Teil zu Fuß, manchmal in LKWs. In Afghanistan und dem Iran haben die Menschen allgemein ein gutes Bild von Deutschland, und jetzt, wo wir hier sind, hat sich das positive Bild sogar noch verstärkt: Deutschland bietet Sicherheit, man kann sein Leben gestalten und lebt intensiv! Besonders als Frau: ich kann mein eigenes Schicksal gestalten, und niemand bestimmt über mich. Ich kann meine Individualität als Frau ausleben. 
Hier nimmt man sein Leben bewusst wahr, in Afghanistan geht das Leben einfach nur vorbei.
Ich mag es am Dom, da fühle ich mich frei. In Afghanistan kann ich nicht einfach so irgendwohin gehen, wo viele Menschen sind, für Frauen (und auch für Männer!) gibt es unglaublich viele Einschränkungen!
Wir haben zwei Kinder, und zu unseren Familien haben wir seit vier Jahren keinen Kontakt mehr.

Salahoudin N., 19 Jahre alt, aus Afghanistan, seit drei Monaten in Deutschland
Salahoudin N., 19 Jahre alt, aus Afghanistan, seit drei Monaten in Deutschland 

Salahoudin:

 Meine Vorstellung von Deutschland hatte ich über das Fernsehen. Wir mussten immer heimlich fernsehen, es ist dort verboten wegen der Taliban.
Und jetzt, wo ich hier bin: es ist noch besser, als ich gedacht habe! Vor allem wegen der Menschen: sie sind frei, sie lassen sich Raum und mischen sich nicht in andere Angelegenheiten ein. Ich fühle mich wohl.

Ich habe noch nicht so richtig was zu tun, wir hängen viel herum, im Park oder am Bahnhof, wo viele Leute sind. Ich lerne Deutsch und mache Sport in einer Einrichtung, ein Angebot für Flüchtlinge.
Ich möchte gerne Fuß fassen und arbeiten.